Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Rund um Sattel, Trense usw.

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 02 19:53

Beitragvon VA-Reiterin » Freitag 2. März 2018, 19:53

Meiner ist schon immer schief, seit ich ihn habe kenn ich es nicht anders. Er wird regelmäßig osteopatisch behandelt, sein Problem ist, dass er sich in jeder Lebenslange verspannt. Ich arbeite vom Boden an Biegung, Stellung und Muskelaufbau und ebenso im Gelände unterm Sattel. Klappt mittlerweile ganz gut und er wird lockerer. Er ist jedoch hinten einiges höher als vorn und eine gute Hinterhandübung und für den Rücken ist rückwärts bergauf. Mit dem Torsion jetzt wird es immer besser. Jedoch sobald er sich wieder aufregt, wird er wieder fest und fällt in seine Schiefe. Sind bisher meine Erfahrungen.

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 03 09:59

Beitragvon sundance » Samstag 3. März 2018, 09:59

@VA-Reiterin: bei Pferden, die sich so sehr aufregen, dass dadurch eine dauerhafte Schiefe entsteht, gibt es nur eine Lösung: runterfahren! Das ganze System komplett runterfahren! Deutlich zurückschrauben! Bis das Pferd gelernt hat, dass man sich im Leben nicht aufregen muss. Aber das dauert. Oft viele Jahre. "Solche" Pferde würde ich persönlich ganz behutsam behandeln. Nicht reiten. Keine Turniere/Distanzritte. Nix, was "aufregt". Darauf achten, dass Haltung + Herde wirklich passen. Viel Ruhe. Viel Zeit. Viel Physio, um die Verspannungen/Schiefe zu bearbeiten (da hilf Osteo wohl eher weniger). Bei "solchen" Pferden ist erfahrungsgemäß craniosakrale Therapie (für die Seele/Nerven) allerbestens geeignet! Und wenn sie mal vollkommen runtergefahren haben, dann kann man laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangsam + sehr sehr behutsam (!) anfangen, sie wieder aufzubauen. Dazu ist unabdingbar, dass sie 100% iges Vertrauen zu "ihrem" Menschen gewonnen haben. Sonst wird es nie klappen.

Das schreibt eine, die selber schon etliche "solche" Pferde besessen hat. Und alle sind wieder geworden. Aber das kostet den Menschen sehr viel Zeit, Kraft und Energie. Muss man wissen, ob man das (wirklich) investieren will/kann.

@Paxi: das mit der natürlichen Schiefe sehe ich genau so wie Du. Die Studie kenne ich und unterstütze sie. Ich möchte gerne hinzufügen: wenn man Wildpferde beobachtet, so findet man kaum oder keine schiefe Pferde. Also zumindest kann ich mich nicht bewusst daran erinnern, jemals ein schiefes Wildpferd gesehen zu haben. Nirgendwo. Im übrigen findet man bei den Wilden auch keine katastrophalen Hufsituationen, so, wie oft bei den domestizierten Hüs. Aber darum geht es hier ja jetzt nicht. Fiel mir nur gerade so ein.

Grüßlis
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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 04 12:21

Beitragvon ka.ori » Sonntag 4. März 2018, 12:21

Ich hatte schon einen Short and Light von Way out West, allerdings hatte ich da einen schlechten Sattler, der hat versucht, die falsche Seite aufzupolstern. Dann einen W 16-34 von Stefan, der wurde mit 3 Pads aufgepolstern auf der li. Seite. Aber der kippte immer leicht nach hinten. Dann bekam ich von Stefan einen R- 15/32, der lag durch den kürzeren BAum besser, war aber schnell zu eng, sie bekam an der nicht schiefen Seite eine Druckstelle. Dann einen 16-34 mit R BAum, der zwar wieder zu lang und lag schief und kippte nach hinten.... immer Schmerzen in der Lende!
Danach hatte ich Frau Zippold da und ich bin mit dem Equiflex mit 46er Baum geritten, aber auch der ist zu lang und der Schwerpunkt war voll in der Lende (wieder leichtes Verkippen nach hinten).
Letztes Jahr hab ich dann einen Equiscan machen lassen und zwei Kieffer wurden mit dem auch ausgeschlossen, außerdem die beiden letzten Sättel.
Jetzt bekomm ich einen Sommer Spirit...
Sundance, wenn der nicht passt, dann meld ich mich ... oder gibt dann endgültig auf!

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 05 08:31

Beitragvon sundance » Montag 5. März 2018, 08:31

hm, ganz ehrlich verstehe ich nicht, warum erst ein 16/34-er Baum angepasst wurde, dann ein 15/32-er und dann, obwohl klar war, dass Dein Pferd den kürzeren Baum benötigt, wieder ein 16/34-er? Habt Ihr denn als logische Schlussfolgerung nicht einen 15/34-er getestet?

Wenn Dein Pferd zu Problemen/Empfindlichkeiten in der Lende neigt und eigentlich einen 15-er ROC-Sattel benötigt, dann könnte es mit dem Trekker RR u.U. im LWS-Bereich Probleme geben? Das müsstest Du dann wirklich testen.

Ich hab's jetzt nicht auf dem Schirm, aber hast Du schon einmal baumlos getestet?

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 06 18:44

Beitragvon ka.ori » Dienstag 6. März 2018, 18:44

Ganz ehrlich, ich versteh das mit dem Roc selber nicht und ich versuch jetzt mal ganz was anders! Da wäre grad ein 15/34 RE im Ebay zu verkaufen und traum mich nicht, da die letzten 5 Anpassungen ja auch iwie in die Hose gingen :/.
Baumlos wurde mir immer abgeraten wegen zu empfindlichen Lendenbereich.
Den Sommer Spirit hätt ich jetzt zum Testen da, eine Sattlerin kommt bald.

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 06 19:52

Beitragvon polldi » Dienstag 6. März 2018, 19:52

Wenn das nichts wird ist Lunalina hier im Forum ein guter Rat.
Das Argument mit Baumlos und Lende kann ich ja null nachvollziehen.

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 07 07:27

Beitragvon sundance » Mittwoch 7. März 2018, 07:27

ka.ori hat geschrieben:...Baumlos wurde mir immer abgeraten wegen zu empfindlichen Lendenbereich. ...


Hä? Hm? Ich sehe da keinen Zusammenhang :?

Wenn ein qualitativ guter, baumloser Sattel mit korrekt gepolstertem Pad und nicht nach hinten abkippend verwendet wird und Du nicht wesentlich mehr als 60 kg wiegst, dann hast Du gute Chancen, dass es funzen könnte. Wenn es bei baumlos Probs gibt, dann eher im Bereich der Steigbügel-Aufhängung. Und das auch nur, wenn das Pferd tendenziell sehr empfindlich ist und Du viel und lang im Schwebe- oder leichten Sitz trabst/galoppierst.
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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 07 07:59

Beitragvon annie_go » Mittwoch 7. März 2018, 07:59

@Paxi: Ja, sehr interessant. Mein Pferd hatte ein Unfall als Fohlen. Es hat sich mit der Mutter zusammen durch die Boxentür gequetscht. So weit ich weiß war nichts gebrochen, aber massive Weichteilverletzungen. Man sieht es heute noch sehr deutlich. Er hat einen R15/34 roc . Wenn ich mehr reite wird er sofort an der Schulter zu eng. Ich glaube mit einem 36er käme ich gut zurecht. Ich möchte keinen anderen als roc, wenn man die so schön selbst polstern kann nach Bedarf. Musste auch nach den Ritten immer den Osteopathen bestellen. @sundance: Und interessant:Mittlerweile reiten wir ruhiger, weniger, viel Schritt und barhuf. Ich habe ihn erst seit drei Jahren und verstehe jetzt auch warum das beim Einreiten wohl damals schief ging. Vermutlich hatte er einfach Rücken-Aua.

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mär 2018 12 18:08

Beitragvon ka.ori » Montag 12. März 2018, 18:08

Baumlos wurde mir abgeraten, weil er wohl das Gewicht nicht so gut verteilt, wie einer mit festem Baum und "schwammiger" sein soll. Inzwischen gibt es so viele gut Baumlose und auch noch viel mehr Schlechte. Genauso wie bei den Kunststoffbäumen, Flexiblen usw. und sofort.

Mit der Schiefe finde ich sehr sehr interessant, was Du geschrieben hast sundance; denn seit ich mein Pferd zuhause selber habe und meine Laufwege habe, außerdem Heuplatz/Wasser und Schlafplatz voneinander getrennt habe, finde ich, dass es etwas besser geworden ist. Wenn ich jetzt noch im Sommer einen kleinen Arbeitsplatz baue, dann habe ich große Hoffnung ;). Ich sehe allerdings beim Dösen immer sehr eingerollt :(.

Seit heut Nachmittag habe ich einen angepassten Sommer Spirit, die Sattlerin meinte, das wäre der perfekte Sattel für dieses Pferd :).... ich bin gespannt!!!

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mai 2019 15 12:43

Beitragvon Flotte Lotte » Mittwoch 15. Mai 2019, 12:43

Sigrun hat geschrieben:
VA-Reiterin hat geschrieben:Allerdings haben wir das Problem, dass bei uns alle Sättel nach vorn fallen und auf die Schulter/Trapezmuskel drücken.


Guck Dir mal an, wie Dein Pferd im Schritt geht. Gut möglich, dass es die Hüften nicht wechselseitig absenkt, sondern seitlich vor und zurückschiebt. Wenn das der Fall ist, schiebt das Pferd mit jedem Schritt jeden Sattel tendenziell nach vorn.


Hallo Sigrun,
Hallo Ka'ori und hallo VA-Reiterin,
der Thread ist zwar schon vor Monaten entstanden, ich bin aber jetzt erst wieder mal im Forum, nach langer Zeit.
Deine Bemerkung finde ich super interessant. Vill. kannst Du oder jemandanders mir da noch mehr sagen?
Ich habe auch eine AV-Stute, 20 J., schief - mit Tendenz zur Besserung durch Bodenarbeit im Schritt interessanterweise - verkrampft sich bei Aufregung wie vorher beschrieben im Rücken und hat dann erst Schmerzen. Wenn sie locker ist nicht.
Wir haben auch nen Torsion, altes Modell, eher ein weicher Lappen :-), sie liebt ihn,ich auch. Ttrotzdem gibt es ein Problem:
Das Lammfellpad von Christ arbeitet die Rückenhaare gegen den Strich ... das nervt meine Stute natürlich und juckt. Ich habe momentan ein Deckchen dazwischen um das Symptom zu beheben. Funktioniert. Aber wen ich frage - keiner hat je von so etwas gehört. Bei uns ist es das gleiche Phänomen wie beim Barefootsattel vorher. Obwohl der Torsion wirklich super ist.
deine Bemerkung hat mich nachdenklich gemacht... denn auch ich habe immer das Gefühl von ihr, vor allem im Galopp, nach vorne geschubst zu werden. Aussitzen im Galopp ist nicht mörglich. Schritt und Trab schon.
Wenn ich sie beobachte, gerade kurz nach dem Winter war es am schlimmsten, dann läuft sie vor allem bergab genau wie du sagtest. Sieht eher aus wie eine Ziege die bergab hoppst als ein Araber unterwegs :-) Das macht mir Sorgen. Wenn wir das noch berichtigen können haben wir es vielleicht geschafft, bald mal längere Strecken reiten zu können.
Ist ihr Gang vielleicht die Ursache dafür? Habt ihr sowas schon mal gehört oder erlebt?
LG

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mai 2019 15 12:58

Beitragvon Flotte Lotte » Mittwoch 15. Mai 2019, 12:58

[quote="sundance"]@VA-Reiterin: bei Pferden, die sich so sehr aufregen, dass dadurch eine dauerhafte Schiefe entsteht, gibt es nur eine Lösung: runterfahren! Das ganze System komplett runterfahren! Deutlich zurückschrauben! Bis das Pferd gelernt hat, dass man sich im Leben nicht aufregen muss. Aber das dauert. Oft viele Jahre. "Solche" Pferde würde ich persönlich ganz behutsam behandeln. Nicht reiten. Keine Turniere/Distanzritte. Nix, was "aufregt". Darauf achten, dass Haltung + Herde wirklich passen. Viel Ruhe. Viel Zeit. Viel Physio, um die Verspannungen/Schiefe zu bearbeiten (da hilf Osteo wohl eher weniger). Bei "solchen" Pferden ist erfahrungsgemäß craniosakrale Therapie (für die Seele/Nerven) allerbestens geeignet! Und wenn sie mal vollkommen runtergefahren haben, dann kann man laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangsam + sehr sehr behutsam (!) anfangen, sie wieder aufzubauen. Dazu ist unabdingbar, dass sie 100% iges Vertrauen zu "ihrem" Menschen gewonnen haben. Sonst wird es nie klappen.

Das schreibt eine, die selber schon etliche "solche" Pferde besessen hat. Und alle sind wieder geworden. Aber das kostet den Menschen sehr viel Zeit, Kraft und Energie. Muss man wissen, ob man das (wirklich) investieren will/kann.

*darauf achten dass Haltung und Herde wirklich passen....*....
Liebe Sundance,
hast Du nen Rat für mich hier?
Wir haben zwei Stuten. Die meine ist rangniedrig, aber neugierig, verspielt und sehr sensibel. die andere dominant von der Persönlichkeit her, sehr lieb im Umgang mit Menschen, andere Pferde zwiebelt sie aber gerne. Manchmal stürzt sie sich ohne für mich erkennbare Vorwarnung - und offensichtlich auch für die meine überraschend - auf meine Stute um sie ein paar Schritte davon zu treiben. Klassiker: Beide dösen, Domina wacht auf, findet dass meine zu nah steht und stürzt sich aufs dösende Pferd, die springt zur Seite, manchmal zu spät und wird gezwickt, dann dösen beide wieder. Meine sichtlich verunsichert.
Was kann ich denn da unternehmen? Zum Schlafen trennen wir sie schon. Die meine freut sich daschon immer drauf - stellt sich gleich *ins Bett* und deutet auf die Trennlitze wenn ich abends rufe :) Tagsüber wollen sie ja aber zusammen sein. Kann man da was machen? Ich habe schon das Gefühl dass meine darunter leidet. Sie legt sich tagsüber nie hin, taumelt beim Dösen, stolpert viel, ist also verspannt und schief.
LG
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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mai 2019 15 14:48

Beitragvon Sigrun » Mittwoch 15. Mai 2019, 14:48

Svenia hat geschrieben:
Sigrun hat geschrieben:
VA-Reiterin hat geschrieben:Allerdings haben wir das Problem, dass bei uns alle Sättel nach vorn fallen und auf die Schulter/Trapezmuskel drücken.


Guck Dir mal an, wie Dein Pferd im Schritt geht. Gut möglich, dass es die Hüften nicht wechselseitig absenkt, sondern seitlich vor und zurückschiebt. Wenn das der Fall ist, schiebt das Pferd mit jedem Schritt jeden Sattel tendenziell nach vorn.


Ist ihr Gang vielleicht die Ursache dafür? Habt ihr sowas schon mal gehört oder erlebt?
LG


Lass mal jemanden das Pferd im Schritt auf gerader Linie führen und beobachte von hinten, was Du siehst.

1) Wie pendelt der Schweif? Ist da viel Bewegung im Schweif oder hängt er locker herunter und pendelt nur im unteren Bereich? Oder bewegt sich schon die Schweifrübe hin und her und der ganze Schweif pendelt hin und her?
2) Senkt sich die Hüfte wechselseitig ab oder schiebt sie eher parallel zum Boden vor und zurück? Sieht es aus, als wedelte das Pferd mit dem Hintern, oder schreitet es effektiv nach vorn?
3) Was macht der Sattel? Liegt er ruhig oder schwenkt er hin und her?
4) Treten die Hinterfüße gerade in die Spur der Vorderfüße (oder darüber hinaus) oder laufen sie eher seitlich zu einer oder beiden Seiten an der Spur der Vorderfüße vorbei?
5) Wenn Du von der Seite guckst, tritt das Pferd dahin, wo der Reiter sitzen sollte oder bleiben die Hinterhufe weit dahinter zurück?
6) Wenn Du auf gebogenen Linien reitest, rutscht der Sattel nach außen? Setzt dich das Pferd nach außen?

Wenn das so ist, hat das Pferd wahrscheinlich nicht gelernt, sich in der Lende aufzudehnen und die Hüfte zum Gehen fallen zu lassen/abzusenken und wahrscheinlich auch nicht, sich in den Rippen auf beiden Seiten gleichmäßig aufzudehnen und kann daher nicht mit den Hinterbeinen korrekt vor- und unter den Schwerpunkt treten, weshalb es keine Last aufnehmen kann und mehr schiebt als trägt. Wenn das Hüftschwenken stark ausgeprägt ist, schiebt es damit den Sattel und alles, was darunter ist, nach vorne.

Die Lösung besteht darin, dem Pferd zu zeigen, wie es den Rücken loslassen und die Rippen aufdehnen kann, und ihm einen besseren Bewegungsablauf zu zeigen. Das ist eine mühsame, kleinteilige Arbeit, bei der man meist auch an den eigenen Rücken und die eigenen Rippen gehen muss, aber es lohnt sich. Das Pferd lernt, dass die Reiterin ihm den Stress nehmen kann, den es sich selbst macht, dass sie dafür sorgen kann, dass es sich in seiner Haut wohler fühlt und dass es mit ihr zusammen mehr Spaß an sich selbst und der Arbeit unter dem Sattel bekommt. Dadurch wird es letztlich auch in spannungsreichen Situationen besser zu managen sein als früher. Ob das schon reicht, damit man auf Wettbewerben starten kann, hängt vom Einzelfall ab.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Sigrun für den Beitrag (Insgesamt 2):
Pat (Mittwoch 15. Mai 2019, 23:05) • sundance (Donnerstag 16. Mai 2019, 07:01)
"Nicht das Reitsystem als solches ist ausschlaggebend, ob sich die Reiterei auf einem Wellenberg oder in einem Wellental befindet, sondern ausschließlich die Art, wie es vom Menschen gehandhabt wird. (Kurt Albrecht)

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mai 2019 15 18:19

Beitragvon Flotte Lotte » Mittwoch 15. Mai 2019, 18:19

Danke Sigrun!!
Das werde ich tun. Gleich am Wochenende.
Ich weiß sie dreht hinten, schmiedet manchmal im Schritt oder Trab, das was Du über Rippen und Rücken sagst kann sehr gut sein. Auch dass ich an meinen Rücken muss, die Atmung und die Rippen. Mache schon länger auf den Kavalettis Balance-Übungen :-))) Habe mein altes Yoga-Buch vorgekramt...
Distanzritte werden wir wohl nicht mehr schaffen. Aber wenigstens guten Gewissens schöne Wanderritte hoffe ich :-) Die Arbeit interessiert sie, und sie hat auch schon verstanden dass ich merke dass sie nicht kann (und nicht bloß stur ist z.B. beim Longieren) und findet es toll dass ich dann neben ihr gehe und ihr neue Sachen zeige. Sie lernt schnell. Irgendwie habe ich immer das innere Bild dass wir noch viel unterwegs sein werden und uns sehr vertrauen... das kommt einfach so. Immer wieder.

Herzlichen Dank!

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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mai 2019 16 07:36

Beitragvon sundance » Donnerstag 16. Mai 2019, 07:36

Svenia hat geschrieben:............
Liebe Sundance,
hast Du nen Rat für mich hier?
Wir haben zwei Stuten. Die meine ist rangniedrig, aber neugierig, verspielt und sehr sensibel. die andere dominant von der Persönlichkeit her, sehr lieb im Umgang mit Menschen, andere Pferde zwiebelt sie aber gerne. Manchmal stürzt sie sich ohne für mich erkennbare Vorwarnung - und offensichtlich auch für die meine überraschend - auf meine Stute um sie ein paar Schritte davon zu treiben. Klassiker: Beide dösen, Domina wacht auf, findet dass meine zu nah steht und stürzt sich aufs dösende Pferd, die springt zur Seite, manchmal zu spät und wird gezwickt, dann dösen beide wieder. Meine sichtlich verunsichert.
Was kann ich denn da unternehmen? Zum Schlafen trennen wir sie schon. Die meine freut sich daschon immer drauf - stellt sich gleich *ins Bett* und deutet auf die Trennlitze wenn ich abends rufe :) Tagsüber wollen sie ja aber zusammen sein. Kann man da was machen? Ich habe schon das Gefühl dass meine darunter leidet. Sie legt sich tagsüber nie hin, taumelt beim Dösen, stolpert viel, ist also verspannt und schief.
LG
Svenia



Hallo Svenja,

vielen Dank für Dein Vertrauen!

Dem, was Du schreibst, entnehme ich, dass Du ein sehr sensibler, feiner (i.S.v. feinfühlig) Mensch bist, der ganz genau hinspürt und dabei ehrlich bleibt. Respekt! Das sind Eigenschaften, die nicht jeder mitbringt, die (Dir und Deinem Pferd) aber beste Voraussetzungen für eine "bessere Zukunft" garantieren.


Es ist aus der Ferne schwierig zu beurteilen, aaaaaaber......... das von Dir beschriebene Verhalten kenne ich wenn

1. Pferde nicht "wirklich" zusammen passen. Das ist halt wie bei uns Menschen. Die einen mögen sich und können miteinander. Die anderen weniger. Manche gar nicht. Wir Menschen gehen uns dann halt aus dem Weg (und würden niemals eine WG, noch dazu auf engstem Raum, mit jemandem gründen, den wir nicht leiden mögen). Unsere Pferde haben diese Wahl leider nicht. Somit sind sie gezwungen, sich i-wie zu arrangieren.

2. zu wenig Platz vorhanden ist. Es gibt Pferde mit (sehr) großer Individualdistanz und viel Platzbedarf (z.B. rassebedingt, und hierzu gehört u.a. der Araber, oder aber weil das Pferd schlecht/gar nicht sozialisiert ist). Da kann es sein, dass ein (in deutschen Landen) meist begrenzter Auslauf schnell zu eng wird.

3. das Pferd unter-/überfordert ist. Somit könnte es sich u.U. um eine Übersprungshandlung handeln?



Tagsüber wollen sie ja aber zusammen sein.


In letzter Instanz ist und bleibt ein Pferd ein soziales Wesen. Lieber mit blödem Artgenossen als alleine!? Aber: woran machst Du dingfest, dass die Pferde das (tatsächlich) wollen?

Sie .... taumelt beim Dösen, stolpert viel, ist also verspannt und schief.


Das ist ein Indiz, dass Deine Stute in der Summe zu wenig (Tief) Schlaf hat und/oder gestresst ist. Dein Gedankengang ist sehr naheliegend. Und ich möchte gerne ergänzen: es bringt herzlich wenig, am Symptom rumzudoktorn wenn die Ursache nicht wirklich behoben wird.


...hast Du nen Rat für mich hier?...



Um einen seriösen Rat zu geben, müsste ich a) mehr Hintergrundwissen haben (Herdenkonstellation, Alter, Rasse, "Nutzung", Haltung, Fütterung etc.pp.) und b), die Situation in aller Ruhe und vor Ort auf mich wirken lassen können. Aus der Ferne ist das wirklich schwierig bis unmöglich.



.....Distanzritte werden wir wohl nicht mehr schaffen.....


Ich halte das zum derzeitigen Zeitpunkt und unter der o.a. Prämisse für eine sehr kluge Entscheidung. Es klingt jedoch so, als wäre das für Dich endgültig? Mich interessiert, warum Du davon ausgehst?

Ich freue mich auf einen regen Meinungsaustausch. Gerne auch per PN, falls das hier den Rahmen sprengen würde........ oder andere User das Thema nicht interessiert.

Herzliche Grüße,

Sabine
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Re: Das leidige Sattelthema; schiefes Pferd, weit in Rücken reichender Widerrist

Mai 2019 16 08:42

Beitragvon Shettymanager » Donnerstag 16. Mai 2019, 08:42

......also ich lese interessiert mit....und würde mich freuen es weiter zu können...
Amy: 80km EFF & 613km KDF & 64 km MDF :P
Ronja: 1821 km i.d.W :D ...mein DM-Fahrshetty :bier