Derzeit sieht die Wettervorhersage für Samstag 37 Grad vor und für Sonntag 33 Höchsttemperatur, aber keinen Regen mehr.
Das ist eine gute Nachricht, denn Luftfeuchtigkeit beeinträchtigt die Erholung wesentlich stärker als Hitze: die Pferde können schwitzen und ihre Körpertemperatur regulieren.
Ich empfehle nochmal einen Blick in DA 04/2019, da wird es erklärt. Mitglieder des VDD können alle jemals erschienenen Ausgaben im Mitgliederbereich der Homepage nachlesen.
Dort habe ich einen Artikel von Dr. Marlin zusammengefasst, der den Zusammenhang zw. Hitze und Luftfeuchtigkeit seit 20 Jahren auf FEI-Veranstaltungen erforscht hat.
Man fasst die Messwerte im sog. WGBT-Index zusammen, der das Risiko beschreibt.
Wenn bestimmte Grenzwerte erreicht sind (28-32), müssen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, ab einem bestimmten Wert (33) muss der Wettbewerb abgebrochen werden.
Wenn ich die Wettervorhersage von Wetteronline als Maßstab nehme und die Daten
in diesen Rechner hier eingebe, komme ich auf einen Index von max 31,5 für Sonntag nachmittag (hohes Risiko) und auf 27 für Samstag (moderates Risiko). Sonneneinstrahlung konnte ich nicht ermitteln, habe ich mit 700 W angesetzt. Sind natürlich viele Variablen, und die Abstufungen sind sehr eng, aber man bekommt einen Eindruck, in welchem Rahmen man sich bewegt. Es gibt auch Messgeräte dafür, die sind aber kein Schnäppchen, wären aber ggf. für Meisterschaften sinnvoll.
Die FEI fordert für den Geländetag einer Vielseitigkeit bei einem Index von
28-30 Vorsichtsmaßnahmen (Startzeiten vorverlegen, Kühlungsmöglichkeiten anbieten usw.)
30-32 zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen
Wenn man bedenkt, dass man die Belastung auf einem Distanzritt besser dosieren kann als in einer Vielseitigkeit (auch wenn die Belastung wesentlich länger andauert; dafür kann man auch früher in der Wertung beenden, so dass mancher vielleicht gar nicht unter diesen Bedingungen reiten muss) komme ich zu folgendem Schluss:
Sofern es kein Gewitter gibt, wird es zwar schwierig und ggf auch riskant, aber wenn alle sich umsichtig verhalten (und Umsicht ist nun mal der Kern einer erfolgreichen Teilnahme an einem Distanzritt) und auch auf dem Paddock ans Kühlen denken, machbar, zumal die Veranstalter Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben. Nachts wird es deutlich abkühlen, in den frühen Morgenstunden - die ersten Starts sind ab 4:00 Uhr - wird man gut reiten können, so dass viele auch nennenswert Kilometer zusammenbekommen, bevor es wirklich schwierig wird.
Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen (gesamte Veranstaltung um eine Stunde vorverlegt, Pulsgrenzwerte gesenkt, Eis beschafft, früheres Beenden in der Wertung ermöglicht usw.)
Wer gern eine differenzierte Betrachtung zum Thema lesen möchte (Compiegne letztes WE bei 34 Grad mit Geschwindigkeiten um die 18 km/h, nur Langstrecken, Starts ab 6:00 Uhr), der kann das hier auf Englisch oder Französisch tun.
https://journaldendurance.substack.com/ ... stions-our
https://journaldendurance.substack.com/ ... stions-que